Unser Leben ist kurz, unsere Zeit auf diesem Planeten begrenzt, so oder so.
Bis zu meinem ersten Entschluss, den Jakobsweg zu gehen, verlief mein Leben äußerst geregelt. Ganz nach Plan und wenn dieser mal in Schräglage geriet – was ziemlich häufig passierte – brachte mich das ziemlich schnell aus der Fassung.
Ich war extrem leistungsorientiert und Perfektionistin in allem was ich tat. Gelang es mir nicht, hörte ich nicht auf, bis mich das Resultat zufrieden stellte. Ich hatte allerdings keine Freude daran. Das wusste ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Das Tempo meines Lebens zog an. Ich hechelte Erfolgen und Zielen hinterher. Bis mir wortwörtlich die Luft ausging. Es musste sich etwas ändern. Viel. Mein Leben.
Lange Klinikaufenthalte lehrten mich zu mir selbst zurück zu kommen. Schritt für Schritt, ganz langsam. Ohne Eile. Ohne Zwang. Einen Fuß vor den nächsten setzen. Ich lernte zu laufen. Zu gehen. Ganz mit mir allein.
Es gibt immer eine Chance für etwas Neues, wenn auch etwas anderes Neues. Auch durch die Pandemie wurden wir gezwungen, achtsam zu sein. Langsam zu gehen. Bedächtigt. Wir kümmerten uns um unsere Familien. Eltern sich wieder um ihre Kinder (sorry, aber ihr wisst was ich meine) Jüngere um die Alten. Und, wir hatten Zeit, uns mit uns selbst zu beschäftigen, Hobbies neu zu entdecken und nicht nur unseren Kopf zu zermartern, sondern auch unsere Hände zu benutzen.
Wir haben gelernt, wie wertvoll unser Leben ist, unsere Erde. Wir wurden kreativ, unfassbar kreativ. Wir suchten Lösungen, wo es keine zu geben schien. Und – wurden fündig.
Und noch etwas. Wer entbehrt, lernt den Luxus zu schätzen. Findet plötzlich Glück und Freude über die kleinen Dingen des Lebens, die uns bislang selbstverständlich erschienen. Wer wie ich auf dem Camino war oder diesen auf seiner Bucket-List stehen hat und sich auf das sehr einfache und reduzierte Leben einlässt, wird die Erfahrung machen, wie gering der materielle Aufwand ist, einen Menschen ein gutes, wenn nicht sogar ein glückliches Gefühl zu vermitteln.
Ich nenne dieses Gefühl, dass sich in mir viral eingebrannt hat „Freiheit“. Aber dazu lest ihr in meinem Reiseberichten mehr.
Dieser Blog erzählt nämlich von meinen ersten Gehversuchen und die Veränderungen in meinem Leben.
Leben. Das ist es. Der Tristes des Alltags zu entfliehen. Und irgendwann einmal – vielleicht – den Rucksack für eine ganz lange Zeit zu packen….
Eine herzliche Umarmung
Un abrazo carinoso
Big hugs
Grandissimo abbraccio
Eure Birgit